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<title>Progesterontest</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Progesterontest</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Der <b>Progesterontest</b> ist ein labormedizinisches Untersuchungsverfahren zur Bestimmung des <a href="Progesteron" title="Progesteron">Progesteronspiegel</a> im <a href="Blutserum" title="Blutserum">Serum</a>. In der Gynäkologie wird er vor allem bei Fruchtbarkeitsstörungen eingesetzt. In der Reproduktionsmedizin bei Tieren dient er vor allem zur Bestimmung der Phase des <a href="Sexualzyklus" title="Sexualzyklus">Sexualzyklus</a> und damit bessere Ergebnisse bei der <a href="K%C3%BCnstliche_Besamung" title="Künstliche Besamung">künstlichen Besamung</a> oder bessere Deckergebnisse zu erreichen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Mensch">Mensch</h2></div>
<p>In der <a href="Gyn%C3%A4kologie" title="Gynäkologie">Frauenheilkunde</a> wird der Progesteron-Nachweis nur noch selten durchgeführt. Zum Schwangerschaftsnachweis ist er vollständig von <a href="Humanes_Choriongonadotropin" title="Humanes Choriongonadotropin">hCG</a>-Bestimmung und Sonografie verdrängt.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Er findet vor allem zum Nachweis eines <a href="Follikelsprung" title="Follikelsprung">Follikelsprungs</a> und zur Beurteilung der <a href="Gelbk%C3%B6rper" title="Gelbkörper">Gelbkörperfunktion</a> Anwendung.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hierbei sind vor allem der Nachweis einer Gelbkörperschwäche<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und die Abklärung der Ursache einer <a href="Amenorrhoe" title="Amenorrhoe">Amenorrhoe</a> oder <a href="Oligomenorrhoe" title="Oligomenorrhoe">Oligomenorrhoe</a><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> von Bedeutung.
</p><p>Bei Neugeborenen wird <a href="17%CE%B1-Hydroxyprogesteron" title="17α-Hydroxyprogesteron">17α-Hydroxyprogesteron</a> als <a href="Neugeborenenscreening" title="Neugeborenenscreening">Screeningtest</a> zum Ausschluss eines <a href="Adrenogenitales_Syndrom" title="Adrenogenitales Syndrom">Adrenogenitalen Syndroms</a> bestimmt.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Rind">Rind</h2></div>
<p>Der Progesterontest beim Hausrind gewinnt in Zeiten sinkender Trächtigkeitsraten bei Hochleistungskühen zunehmend an Bedeutung als Managementtool, um die Fruchtbarkeitsleistung einer Herde zu steigern. Dabei wird die Konzentration des trächtigkeitserhaltenden <a href="Hormon" title="Hormon">Hormons</a> <a href="Progesteron" title="Progesteron">Progesteron</a> in Blutserum oder vorzugsweise Milch gemessen, um Rückschlüsse ziehen zu können auf den Zyklusverlauf, Nichtträchtigkeiten sowie Scheinbrunst von Kühen: die damit gewonnenen Erkenntnisse komplettieren die herkömmliche Brunstbeobachtung. Somit können Zwischenkalbezeiten verkürzt, Problemtiere identifiziert und die Herdenfruchtbarkeit im Ganzen verbessert werden.
</p><p><b>Zyklusverlauf</b>
</p><p>
In der Regel dauert ein Brunstzyklus beim Rind 21 (18 bis 23) Tage. Ist ein Rind in Brunst, so ist am Eierstock dieses Tieres ein </p><p> Primärfollikel herangereift. Dieser produziert die Brunsthormone (Östrogene), welche die äußeren Brunstanzeichen auslösen. Nach der Ovulation (Eisprung) wächst in der zurückbleibenden Follikelhöhle ein Gelbkörper heran, welcher das Progesteron bildet. Je mehr der Gelbkörper wächst, desto mehr Progesteron wird produziert. Das Progesteron blockiert die Ausschüttung anderer Hormone (FSH und LH), die normalerweise einen neuen Zyklus in Gang setzen. Ist die Befruchtung nicht erfolgreich verlaufen, bildet sich ab Tag 18 der Gelbkörper zurück, woraufhin der Progesteronspiegel im Blut sinkt, bis der Gelbkörper ganz verschwunden ist und kein Progesteron mehr gebildet wird. Erst dann kann sich ein neuer Follikel entwickeln, der Zyklus beginnt von Neuem. Ist die Befruchtung dagegen erfolgreich verlaufen, bleibt der Progesteronspiegel auf seinem hohen Niveau. Die Kuh ist nun tragend und kommt nicht mehr in Brunst.
</p><div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Aussagen_mittels_Progesterontest">Aussagen mittels Progesterontest</h3></div>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Umrinderkontrolle">Umrinderkontrolle</h4></div>
<p>In der Regel erfolgt der Progesterontest am Tag 19/20/21, um diejenigen Tiere zu identifizieren, bei denen eine Besamung nicht erfolgreich war: ist der Progesteronspiegel niedrig, so kann mit 100%iger Sicherheit eine Trächtigkeit ausgeschlossen und eine Besamung bereits zum nächsten Eisprung durchgeführt werden, ohne dass ein weiterer Zyklus verpasst wird. Somit lassen sich hohe finanzielle Einbußen, die mit 3 Euro pro Tier und Tag verlängerter Zwischenkalbezeit beziffert werden, vermeiden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Scheinbrunstkontrolle">Scheinbrunstkontrolle</h4></div>
<p>Wenn eine Kuh unerwartet, sprich außerhalb der dafür erwarteten Zeit Brunstsymptome zeigt, gleichzeitig aber einen hohen Progesteronwert aufweist, ist eine Scheinbrunst gegeben und eine Besamung wäre überflüssig.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Kontrolle_des_Rinderzyklus">Kontrolle des Rinderzyklus</h4></div>
<p>Bei Kühen, deren Zyklusverlauf unklar ist (bspw. Problemtiere, Erstkalbinnen) kann mit einer Analyse des Progesteronspiegels eine Aussage über den normalen oder nicht normalen Zyklusverlauf getroffen werden. Mittels 2–3 Tests im Abstand von einigen Tagen kann bestimmt werden, an welchem Punkt im Zyklusverlauf sich die Kuh befindet. Der Progesterontest kann auch Hinweise zu Tiergesundheitsproblemen wie Ovarialzysten oder persistierende Gelbkörper liefern.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Optimierung_von_Synchronisationsprogrammen">Optimierung von Synchronisationsprogrammen</h4></div>
<p>Im Rahmen von Synchronisationsprogrammen wird unter anderem Prostaglandin (PGF 2α) verabreicht, um einen Gelbkörper abzubauen und damit Follikelausbildung und Brunst einzuleiten. Nur bei aktivem Gelbkörper ist der Einsatz von Prostaglandin erfolgversprechend. Durch den Einsatz eines Progesterontests kann das Vorhandensein eines aktiven Gelbkörpers überprüft werden und damit können ggf. Kosten für eine nicht erfolgversprechende Hormonbehandlung eingespart werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Überprüfung_von_Empfängertieren_im_Rahmen_von_Embryo_Transfer"><span id=".C3.9Cberpr.C3.BCfung_von_Empf.C3.A4ngertieren_im_Rahmen_von_Embryo_Transfer"></span>Überprüfung von Empfängertieren im Rahmen von Embryo Transfer</h3></div>
<p>Beim Embryo Transfer (ET) werden Embryonen auf Empfängertiere (Rezeptoren) übertragen, die sich im passenden Zyklusstadium befinden, d. h. bei ihnen muss ein aktiver Gelbkörper vorhanden sein. Ein entsprechend hoher Progesteronspiegel untermauert die Eignung von Rezeptoren. Auch Rezeptoren mit unklarem palpatorischem Befund sind bei hohem Progesteronwert durchaus geeignet. Umgekehrt wird eine Übertragung auf ein Empfängertier, bei dem der Embryo aufgrund zu niedrigen Progesteronwertes nicht anwachsen kann, verhindert.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Analysegeräte"><span id="Analyseger.C3.A4te"></span>Analysegeräte</h3></div>
<p>Progesterontests werden auf den landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt, um das Trächtigkeitsschutzhormon Progesteron in Milch oder Blutserum von Rindern nachzuweisen. Die kommerziellen Testsysteme arbeiten auf der Basis von <a href="Enzyme-linked_Immunosorbent_Assay" title="Enzyme-linked Immunosorbent Assay">ELISA</a>-Tests, es sind nur geringe Mengen wie zwei Tropfen Milch oder Blutserum nötig, um ein Ergebnis zu erzielen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Hund">Hund</h2></div>
<p>Der entscheidende Punkt im Reproduktionsmanagement der Hündin ist die Bestimmung des optimalen Zeitpunktes für die künstliche Besamung oder den Deckakt. <a href="Vaginalabstrich" title="Vaginalabstrich">Vaginalabstrich</a> und <a href="Vaginalzytologie" title="Vaginalzytologie">Vaginalzytologie</a> werden hierzu als Indikatoren herangezogen, jedoch sollte in einem optimalen Reproduktionsmanagement ebenfalls der Progesteronspiegel der Hündin genutzt werden. Der Anstieg der <a href="Luteinisierendes_Hormon" title="Luteinisierendes Hormon">LH</a>-Konzentration führt zu einer <a href="Lutein" title="Lutein">Luteinisierung</a> der <a href="Granulosazelle" title="Granulosazelle">Granulosazellen</a>, welche darauf Progesteron produzieren. Die Ovulation erfolgt bei einer Progesterongehalt von 4–10 ng/ml. Daher kann der Progesterontestzurr Bestimmung des Ovulationstages und des optimalen Deck-/Besamungszeitraumes verwendet werden.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zudem kann die Progesteronbestimmung zur Überprüfung des normalen Geburtbeginnsund als Hilfestellung bei der Entscheidung zur Durchführung eines Kaiserschnitts eingesetzt werden. Liegt die Progesteronkonzentration über dem Basalniveau, ist die Hündin hormonell noch nicht in der Geburt und eine Geburt innerhalb der nächsten 24 Stunden ist unwahrscheinlich.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Pferd">Pferd</h2></div>
<p>Bei Pferd kann die Progesteronbestimmung im Blut ab dem 20. Tag zum Trächtigkeitsnachweis eingesetzt werden, durch die Möglichkeit der sonografischen Trächtigkeitkontrolle wird dies allerdings nur noch selten angewendet. Da Progesteron beim Pferd vor allem über den Kot ausgeschieden wird, kann die Progesteronbestimmung im Kot zwischen 120. Trächtigkeitstag und Geburt als nichtinvasives Verfahren zum Trächtigkeitsnachweis eingesetzt werden.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Referenzen">Referenzen</h2></div>
<ul><li>Berthold Achler u. a. (Hrsg.): <i>Rinderbesamung mit Erfolg. Handbuch für Eigenbestands-Besamer</i>. Herausgegeben von <a href="Top_agrar" title="Top agrar">Top agrar</a>, das Magazin für moderne Landwirtschaft. Landwirtschaftsverlag, Münster 2002, ISBN 3-7843-3127-0, (<i>Top-agrar-Fachbuch</i>).</li>
<li>Heinrich Bollwein: <i>Rechnet sich die frühe Trächtigkeitsuntersuchung?</i>. In: <i>Milchrind</i> 3, 2008, <span class="-print"><a href="Internationale_Standardnummer_f%C3%BCr_fortlaufende_Sammelwerke" title="Internationale Standardnummer für fortlaufende Sammelwerke">ISSN</a> <span style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://zdb-katalog.de/list.xhtml?t=iss%3D%220941-1348%22&key=cql">0941-1348</a></span></span>.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Klaus Diedrich: <i>Gynäkologie und Geburtshilfe</i>. Springer-Verlag, 2. Auflage, 2006, ISBN 978-3-540-32868-1, S. 103.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Friedrich W. Tiller, Birgit Stein: <i>Labordiagnostische Praxis</i>. ecomed-Storck GmbH, 3. Auflage 2013, ISBN 978-3-609-16473-1, S. 388.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Claudia Pedain, Julio Herrero García: <i>Fallbuch Gynäkologie und Geburtshilfe</i>. Georg Thieme, Stuttgart, 2003, ISBN 978-3-13-136371-8, S. 193.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Klaus Diedrich: <i>Gynäkologie und Geburtshilfe</i>. Springer-Verlag, 2. Auflage, 2006, ISBN 978-3-540-32868-1, S. 99.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Axel M. Gressner, Torsten Arndt: <i>Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik: Band 1: Klinische Chemie</i>. Springer-Verlag, 2012, ISBN 978-3-540-49520-8, S. 612.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Axel Wehrend: <i>Leitsymptome Gynäkologie und Geburtshilfe beim Hund.</i> Enke, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8304-1076-8, S. 17.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Axel Wehrend: <i>Leitsymptome Gynäkologie und Geburtshilfe beim Hund.</i> Enke, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8304-1076-8, S. 71.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Christine Aurich: <i>Reproduktionsmedizin beim Pferd: Gynäkologie - Andrologie - Geburtshilfe.</i> Georg Thieme, Stuttgart, 2. Auflage 2008, ISBN 978-3-8304-4196-0, S. 151.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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